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Mangel an Fachkräften sorgt für Umsatzeinbußen

Niederbayern fehlen die Fachkräfte, aktuell und voraussichtlich auch in Zukunft. Der Fachkräftemangel wird der niederbayerischen Wirtschaft in den kommenden fünf Jahren einen schmerzhaften Wertschöpfungsverlust von 4,8 Milliarden Euro bescheren – das zeigt eine Studie des unabhängigen Wirtschaftsforschungsinstituts WIfOR im Auftrag der bayerischen IHKs.
"Wenn Stellen unbesetzt bleiben, müssen Betriebe Aufträge verschieben oder ablehnen, weil schlicht die Personalkapazitäten zur Abarbeitung fehlen", erklärt Thomas Leebmann, Präsident der IHK Niederbayern. "Für das laufende Jahr rechnen wir mit einem Wertschöpfungsverlust von 0,9 Milliarden Euro, also fast 2,5 Prozent der gesamten niederbayerischen Bruttowertschöpfung." Tendenziell wird sich der Fachkräftemangel in Zukunft weiter verschärfen, sodass auch die volkswirtschaftlichen Verluste ansteigen.
Digitalisierung als Chance
"Die Digitalisierung der Wirtschaft kann eine Chance sein, diese Wertschöpfungsverluste abzumildern", betont der IHK-Präsident. "Insbesondere in Fertigungsberufen können Tätigkeiten, die von Menschen ausgeführt werden, durch Computer oder computergesteuerte Maschinen übernommen werden." Gerade Niederbayern als Industriestandort hat die Möglichkeit, von der Digitalisierung zu profitieren. Um dieses Potenzial nutzen zu können, muss Leebmann zufolge allerdings der Breitbandausbau weiter vorangetrieben werden, um den steigenden Anforderungen an schnelles Internet gerecht zu werden.
Laut IHK-Fachkräftemonitor fehlen in Niederbayern circa 8.000 Fachkräfte. Dieser Wert wird sich den Berechnungen zufolge in fünf Jahren voraussichtlich verdoppelt haben. "Hier muss man genau hinschauen, denn je nach Beruf, Qualifikationsniveau und Region fällt die Situation ganz unterschiedlich aus", erläutert Leebmann. Derzeit ist beispielsweise im kaufmännischen Bereich noch ein Fachkräfteüberschuss von 5.000 beruflich Qualifizierten vorhanden, während der niederbayerischen Wirtschaft gleichzeitig 11.000 Techniker fehlen. Langfristig gesehen öffnet sich aber auch bei den Kaufleuten die Fachkräftelücke.
Besonders gesucht sind momentan Mitarbeiter mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung in der Maschinen- und Betriebstechnik. Auch Betriebe aus Fahrzeugtechnik sowie Kunststoffherstellung und -verarbeitung suchen dringend nach Mitarbeitern dieses Qualifikationsniveaus. Außerdem fehlen Akademiker am Markt, besonders Ingenieure. "Allerdings ist der Engpass bei den Hochschulabsolventen zehn Mal geringer als bei beruflich Qualifizierten im technischen Bereich“" stellt Leebmann klar. Der ungebrochene Trend zur Hochschule verschärfe diese Entwicklung: Während in den vergangenen zehn Jahren das Angebot an beruflich Qualifizierten um 21 Prozent stieg, nahm die Zahl der Akademiker auf dem Arbeitsmarkt überdurchschnittlich um 29 Prozent zu.