5. Niederbayerische Wirtschaftsgespräche

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© IHK Niederbayern

Das Wirtschaftswachstum ist seit Jahren gleich Null, die Inflation ist nach wie vor hoch, das Beschäftigungsbarometer zeigt nach unten, die Investitionsausgaben liegen unter dem Niveau von 2019 - kurzum: Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist angespannt. Das machte ifo-Präsident Clemens Fuest bei seinem Vortrag im Rahmen der Niederbayerischen Wirtschaftsgespräche 2025 deutlich, die soeben in der Stadthalle Dingolfing zu Ende gegangen sind.

Über 500 Gäste bekamen hier von Fuest (ifo Institute – Leibniz Institute for Economic Research) Impulse, wie Deutschland aus der Krise herauskommen kann. Dringend müssten die Unternehmensinvestitionen angekurbelt werden, zentral sei dafür Planungssicherheit für die Unternehmen und eine Vereinfachung von Planungs- und Genehmigungsverfahren. Fuest appellierte, speziell die Ausgaben bei Forschung und Entwicklung in Zukunftsbranchen zu tätigen, die großes Wachstumspotenzial besitzen. “Wenn man Wertschöpfung schaffen will, muss man Neues zulassen", sagte der ifo-Präsident.

Mit Blick auf die Sondervermögen für Verteidigung und Infrastruktur mahnte Fuest den richtigen und zielgerichteten Einsatz der Mittel an. Nötig sei ein mehrjähriger Prozess: Senkung von Staatsausgaben, Abbau der Neuverschuldung und Begrenzung der Sondervermögen-Beiträge. Mit Blick auf die Infrastrukturmilliarden machte Fuest darauf aufmerksam, dass man die Kapazitäten der Bauunternehmen heben müsse. Aktuell seien besonders Tiefbauunternehmen bereits gut ausgelastet. In diesem Zusammenhang forderte Fuest eine Ausweitung des Arbeitsangebots. Dies sei unbedingt nötig, denn bei der Zahl der Arbeitsstunden sei Deutschland im OECD-Vergleich Schlusslicht. "Wir haben also hier noch Luft nach oben", so Fuest. Dringend angepackt werden müsse auch der Bürokratieabbau, der ebenso Kapazitäten in allen Bereichen freisetzen würde. Natürlich war auch das schwierige internationale Umfeld Thema bei den Wirtschaftsgesprächen. Fuest warnte hier vor einer Spirale von Zöllen und Gegenzöllen.

IHK-Präsident Thomas Leebmann sprach in seiner Einführung zu den Wirtschaftsgesprächen die wachsende Unzufriedenheit der Unternehmer mit der aktuellen Wirtschaftspolitik an. Der Grund? Die Politik gehe etwa den Abbau der Bürokratie nicht schnell genug an, die Genehmigungsverfahren seien nach wie vor viel zu langsam, die Energiepreise im internationalen Wettbewerb deutlich zu hoch. "Wir brauchen eine sofortige Kehrtwende in der Wirtschaftspolitik, mit Fokus auf Wachstum, Effizienz und Verlässlichkeit. Mit der Zielrichtung auf mehr Arbeit statt weniger und mit einer neuen Grundhaltung des Vertrauens gegenüber der Wirtschaft, statt übergriffiger Kontrollen und Vorgaben“, bekräftigte Leebmann.

Artikelnr: 289713